über den film

Bowlingtreff
Ein Dokumentarfilm von Adrian Dorschner und Thomas Beyer

Länge: 60 min

Leipzig Ende der 1980er Jahre. Die Altbauten der Innenstadt verfallen, die Plattenbausiedlungen am Stadtrand wachsen nicht schnell genug, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Kurz vor dem Ende der DDR gibt es für öffentliche Bauten keine Mittel mehr – weder Geld, noch Material. Doch dann wird 1987 überraschend in Leipzig ein Bowling-Center eröffnet: Der „Bowlingtreff“. Keine der üblichen tristen Kegelbahnen, sondern ein außergewöhnliches Zeichen postmoderner Architektur, einmalig in der DDR. Das Haus, luxuriös ausgestattet mit Marmor, Eichenparkett und einem Glasdach, beherbergte auf verschiedenen Ebenen 14 Bowlingbahnen, Leipzigs erstes Fitnessstudio und eine Auswahl exquisiter Billardtische: eine absolute Sensation!

Der Film zeigt, wie der Bau des Bowlingtreffs bereits den Auflösungsprozess der SED-Diktatur andeutet. Denn wie die Recherchen belegen, erfährt die Ost-Berliner Regierung von Größe und Umfang des „Bowlingtreffs” erst kurz vor der Eröffnung. Den Bau gibt die Stadt Leipzig nämlich selbst in Auftrag und lässt ihn in sogenannter Feierabendtätigkeit errichten. Mit viel Geschick, auf abenteuerliche Weise und kurzerhand an den Berliner Genossen vorbei, werden Baumaterial und Handwerker „bereitgestellt“ und ein Haus gebaut, dass mit der üblichen DDR-Formsprache nichts mehr zu tun hat, wie im Film internationale Experten bestätigen. Die Architektur-Ikonen Denise Scott Brown und Paolo Portoghesi beschreiben die Einzigartigkeit und Eigenständigkeit des Bowlingtreffs als Verkörperung des Zeitgeists, dem erstarkenden Wunsch nach Veränderung in der DDR. Die lichtdurchflutete, freitragende Halle kombiniert spielerisch Elemente aus der Architekturgeschichte und den Casinos von Las Vegas.

Den begeisterten Besuchern staunten über die architektonische Klasse und feierten den Bowlingtreff als steingewordene Sehnsucht nach einem besseren Leben. Heute sind Fenster und Türen des Bowlingtreffs vermauert und nur über den Lieferanteneingang gelangt man noch in das Innere des einstigen Prachtbaus am Leipziger Ring.

Der Film portraitiert kenntnisreich und liebevoll das Haus und seine besondere Entstehungsgeschichte. Bisher unveröffentlichtes Film- und Fotomaterial, ungewöhnliche Projektionen und exklusive Interviews machen das Lebensgefühl in Leipzig vor der Wende 1989 spürbar.

team

Ein Film von Thomas Beyer und Adrian Dorschner
Kamera Simone Friedel
2. Kamera Anna Baranowski
Adrian Dorschner
Schnitt Anna Baranowski
Ton Jana Irmert
Daniel Fischer
Tongestaltung Jana Irmert
Musik Alexander Hessel / Büro Böhm
Farbkorrektur Colja Krugmann
Licht Thomas Krüger
Sebastian Höhn
Projektionen René Heinrich
Hannah Sieben
Grip Thomas Krüger
Sebastian Höhn
René Heinrich
Kameraassistenz Hannah Sieben
Regieassistenz Julia Leser
Spezialeffekte Holger Beyer
Catering Anja Biemann
Übersetzung Sandro Thoma
Anja Biemann
Simone Großer
Produktionsleitung Beyer & Dorschner
Evelyn Wenzel ( MDR )
Daniel Buresch ( NDR )
Film- und Fotomaterial Volker Kierzkowski
Photographenmeister Martin Weber
Hans Wolfram Kasten
Roger und Renate Rössing
Hermann Walter
Roland Jahn
Siegbert Schefke
Archive Deutsche Fotothek
Deutsches Rundfunkarchiv
Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ Leipzig
Mitteldeutscher Rundfunk
Rundfunk Berlin Brandenburg
Sächsisches Staatsarchiv
Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Fachberatung Silke Schütze
Redaktion Dr. Katja Wildermuth ( MDR )
Eric Friedler ( NDR )
Website Martin Kraetke

Dank an

Frank Ahlborn, AV-Labor der HGB Leipzig, Ilona Beyer-Dorschner, Rosemarie Beyer, Maria Ercadi, Filmverband Sachsen, Stefan Gööck, Matthias Hasberg, Ulrike Heinemann, Vera Hobrecker, Andreas Horn, Ralph Jordan, Michael Kraus, Georg Kühn, Claudia Lorke, Ingo Lögers, Michael Mahler, Caroline Mehner, Carsten Möller, Conrad Ostwald, Martin Pfeiffer (Kanzlei Wilken Münster/Hamburg), Royal London Bus Leipzig, Stefan Rauchhaus, Susan Scanlon, Jürgen Schellong, Luise Schröder, Carolin Schumann, Ylva Snyckers, Susanne Stenner, Wolfgang Thron, Andreas Weck, Reinhard Wendt, Thomas Wieja, Dörthe Winter

Eine Koproduktion von Beyer & Dorschner, MDR und NDR

Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und der Sächsischen Landesmedienanstalt

news

“Bowlingtreff” wurde für das 4. MIASTOmovie Festival in Wrocław (PL) ausgewählt!

termine

Bowlingtreff auf dem MIASTOmovie Festival (PL)

23. April 2016, 16:00 Uhr

Kino Nowe Horyzonty
Kazimierza Wielkiego 19a-21, Wrocław

kontakt

Beyer & Dorschner
Erich-Zeigner-Allee 64a
04229 Leipzig